Symbolbild: Erde und Mars. Die Illustration zeigt weder die Raumsonde MMX noch den Rover Idefix oder den Marsmond Phobos.
Die japanische Raumsonde MMX ist auf dem Weg zum Mars. Am Montagabend, dem 19. Oktober, hob sie um 21:41 Uhr MESZ auf einer H3-Rakete vom Weltraumbahnhof Tanegashima ab, gleich am ersten geplanten Termin. Gut 71 Minuten später, gegen 22:52 Uhr MESZ, trennte sich die Sonde von der Oberstufe und flog auf der vorgesehenen Bahn in Richtung Mars weiter. Am Mittwoch, dem 21. Oktober, gab die japanische Raumfahrtagentur JAXA dann Entwarnung: Die Sonde ist wohlauf und hat die besonders heikle Anfangsphase hinter sich. Mit an Bord reist der kleine Rover Idefix, gebaut vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zusammen mit der französischen Raumfahrtagentur CNES.
Für den Start setzte JAXA die stärkste Ausführung der H3 ein, mit zwei Haupttriebwerken und vier seitlich angebrachten Feststoffboostern. Die Booster fielen nach knapp zwei Minuten ab, kurz darauf die Schutzverkleidung an der Spitze. Die Oberstufe brachte MMX zunächst in eine Parkbahn um die Erde. Nach gut einer Stunde zündete sie ein zweites Mal und gab der Sonde den nötigen Schwung, um die Erde endgültig zu verlassen. MMX wiegt rund 4,5 Tonnen, etwa zwei Drittel davon sind Treibstoff. Die Sonde sei nach seiner Einschätzung mit außergewöhnlicher Präzision auf der geplanten Bahn abgesetzt worden, sagte Makoto Arita, der H3-Projektleiter der JAXA, laut Kyodo auf einer Pressekonferenz.
Die ersten Tage im All
Nach der Trennung von der Rakete muss eine Raumsonde in kurzer Zeit mehrere Schritte schaffen, bevor sie als sicher gilt. MMX nahm Kontakt zur Bodenstation auf und klappte ihre Solarflügel aus. Anschließend stabilisierte sie ihre Lage im Raum: Sie richtete sich in allen drei Achsen aus und hält diese Ausrichtung seitdem selbstständig, damit unter anderem die Solarzellen zuverlässig Licht bekommen. Außerdem wurde eine Antenne aus ihrer Startsicherung gelöst. Weil all das planmäßig funktioniert hat, beendete JAXA am Mittwoch diese sogenannte kritische Phase. Als Nächstes werden die Geräte an Bord eingeschaltet und geprüft, danach beginnt der eigentliche Reiseflug. Er dauert rund zehn Monate, im August 2027 soll MMX in eine Umlaufbahn um den Mars einschwenken.
Idefix bleibt während des gesamten Flugs fest an der Muttersonde. Ganz untätig ist der Rover trotzdem nicht: Die Kontrollzentren des DLR in Köln und des CNES in Toulouse planen abwechselnd regelmäßige Gesundheitschecks, kalibrieren seine Messgeräte und laden seine Batterie nach. Unterwegs soll er außerdem eine neue Software bekommen. Seinen großen Auftritt hat Idefix voraussichtlich Anfang 2029. Dann klinkt MMX ihn über Phobos aus, und er soll als erstes Fahrzeug überhaupt auf einem Marsmond fahren.
Ein langer Anlauf
Eigentlich sollte MMX schon 2024 starten. Nach dem Fehlschlag beim Erstflug der H3 im Jahr 2023 verschob Japan die Mission jedoch. Einfach ein paar Wochen später zu starten, ging nicht, denn Erde und Mars stehen nur etwa alle 26 Monate günstig zueinander. In diesem Startfenster ist MMX die einzige Mission, die zum Mars aufgebrochen ist.
Leicht zu erreichen ist Phobos nicht, das zeigt die Geschichte. Die Sowjetunion schickte 1988 zwei Sonden los, die Landegeräte auf dem Marsmond absetzen sollten. Phobos 1 ging schon auf dem Weg zum Mars verloren. Zu Phobos 2 riss der Kontakt 1989 ab, kurz bevor die Landegeräte abgesetzt werden sollten. Die russische Sonde Phobos-Grunt kam 2011 nicht einmal aus der Erdumlaufbahn heraus und verglühte später in der Atmosphäre. Japan bringt dagegen viel Erfahrung mit Probenrückführungen mit: Die Sonden Hayabusa und Hayabusa2 haben bereits Gesteinsproben von zwei Asteroiden zur Erde gebracht.
Nach der Erkundung durch Idefix soll MMX selbst auf Phobos aufsetzen und Bodenproben einsammeln. 2030 tritt die Sonde den Rückflug an, 2031 soll eine Kapsel mit dem Material in Australien landen. Eine lange, fünfjährige Reise habe gerade begonnen, sagte JAXA-Präsident Hiroshi Yamakawa laut Ars Technica nach dem Start.