Symbolbild: eine Galaxie. Die Abbildung zeigt nicht das Swift-Observatorium.
Das NASA-Weltraumteleskop Swift hat seine Arbeit endgültig eingestellt. Seine letzte wissenschaftliche Beobachtung machte das Observatorium am 20. Oktober, die NASA hat das Ende der Mission am 23. Oktober bekannt gegeben. Swift kreist inzwischen weniger als 275 Kilometer über der Erde. In dieser Höhe bremst die dünne obere Atmosphäre den Satelliten so stark, dass seine Teleskope ihre Ziele nicht mehr ruhig im Blick behalten können. In den nächsten Wochen wird Swift voraussichtlich in die Atmosphäre eintreten und dabei größtenteils verglühen.
Warum die Rettung nicht klappte
Jeder Satellit in einer niedrigen Umlaufbahn wird von den letzten Resten der Erdatmosphäre gebremst und sinkt langsam ab. Bei Swift kam die hohe Sonnenaktivität der vergangenen Jahre hinzu: Sie heizt die obere Atmosphäre auf, lässt sie anschwellen und verstärkt so die Bremswirkung. Swift hat keine Triebwerke, mit denen es sich selbst wieder höher schieben könnte. Deshalb sollte im Sommer das Raumschiff LINK der Firma Katalyst Space Technologies das Teleskop einfangen und in eine höhere Bahn heben. Nach dem Start bekam LINK jedoch Probleme mit Antrieb und Lageregelung, und im August stand fest, dass die Rettung nicht stattfindet.
Um Zeit für diesen Versuch zu gewinnen, hatte das Swift-Team die meisten Beobachtungen ausgesetzt und den Satelliten so ausgerichtet, dass er möglichst wenig Luftwiderstand erzeugt. Nach dem Aus für die Rettung schaltete es die Instrumente wieder ein, und Swift beobachtete noch einmal Hunderte Ziele, von den Überresten explodierter Sterne über aktive Schwarze Löcher in fernen Galaxien bis zu Kometen im Sonnensystem. Das hatte seinen Preis, denn mit den Beobachtungen stieg auch der Luftwiderstand wieder, und Swift sank schneller. Am 20. Oktober erreichte es rund 275 Kilometer Höhe, konnte die Bremswirkung nicht mehr ausgleichen und ging in einen Sicherheitsmodus. Das Betriebsteam an der Penn State University in den USA schickte daraufhin einen Befehl, der den Betrieb beendete und den Satelliten auf den Wiedereintritt vorbereitete.
Ein Jäger für die hellsten Explosionen im All
Swift startete am 20. November 2004 und war eigentlich nur für zwei Jahre gedacht. Gebaut wurde es für Gammastrahlenblitze, die stärksten Explosionen im Universum. Sie leuchten oft nur Sekunden oder Bruchteile davon auf und sind wieder verschwunden, bevor ein großes Teleskop auf sie schwenken kann. Swift löste dieses Problem mit Tempo: Ein Detektor entdeckte den Blitz, der Satellit meldete die Position an andere Observatorien und drehte dann selbst seine Röntgen- und Ultraviolett-Teleskope auf die Stelle, bevor das Nachleuchten verblasste. Meist dauerte das nur etwa eine Minute.
Besonders wichtig war das bei den kurzen Gammastrahlenblitzen, die insgesamt weniger als etwa zwei Sekunden dauern. Im Mai 2005 gelang es Swift erstmals, das Nachleuchten eines solchen Blitzes einzufangen, der nur 0,03 Sekunden gedauert hatte. Damit bestätigte sich eine lange gehegte Vermutung: Kurze Gammastrahlenblitze entstehen wahrscheinlich, wenn zwei Neutronensterne miteinander verschmelzen, also extrem dichte Sternreste mit etwas mehr als der Masse der Sonne und der Größe einer Stadt.
Mit der Zeit wurde Swift zu einem vielseitigen Werkzeug der Astronomie. Forschende konnten kurzfristig Beobachtungen anfragen, die das Team teils schon nach wenigen Minuten an den Satelliten schickte, und Swift schaffte bis zu 75 verschiedene Ziele am Tag. Insgesamt hat es mehr als 2000 Gammastrahlenblitze und mehr als 1400 Supernovae beobachtet, Sterne verfolgt, die von Schwarzen Löchern zerrissen wurden, und den ganzen Himmel im Röntgenlicht durchmustert. Rund 7000 Fachartikel stützen sich auf seine Daten. Der Name erinnert seit 2018 an Neil Gehrels, den ersten wissenschaftlichen Leiter der Mission, der 2017 gestorben ist.
Was bleibt
Swift habe mehr als zehnmal so lange gearbeitet wie geplant und sich für die USA dauerhaft ausgezahlt, sagt Shawn Domagal-Goldman, der Leiter der Astrophysik-Abteilung der NASA. Das Archiv der Mission ist öffentlich zugänglich und umfasst fast 22 Jahre an Messungen, darunter mehr als 1,5 Millionen Bilder des Ultraviolett-Teleskops, zusammen etwa 12 Terabyte. Bis ein Nachfolger bereitsteht, will die NASA mit ihren bestehenden Weltraumteleskopen einspringen, um weiter schnell auf plötzliche Ereignisse am Himmel reagieren zu können.