Artemis III: NASA probt 2027 die Mondlandung im Erdorbit

Symbolbild: der Mond. Die Abbildung zeigt keine Artemis-Raumfahrzeuge.

Die NASA hat am 23. Oktober genauer erklärt, wie sie Menschen bis 2028 wieder auf den Mond bringen will. Der wichtigste Zwischenschritt ist die Mission Artemis III, die 2027 starten soll. Anders als lange geplant fliegt sie nicht zum Mond, sondern bleibt in einer Umlaufbahn um die Erde. Dort sollen vier Astronauten mit ihrer Orion-Kapsel an Testversionen der beiden Mondlandefähren andocken, die die Firmen Blue Origin und SpaceX für die NASA entwickeln. „Jeder Teil dieser Mission in der Erdumlaufbahn soll das Risiko verringern, bevor wir Astronauten wieder auf den Mond bringen“, sagt Artemis-Programmleiter Jeremy Parsons. Erst Artemis IV soll 2028 in der Nähe des Mondsüdpols landen.

Ein Europäer am Steuer

Für Europa ist Artemis III ein besonderer Flug. Zur Besatzung gehören neben den NASA-Astronauten Randy Bresnik als Kommandant sowie Frank Rubio und Andre Douglas auch der Italiener Luca Parmitano von der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Er ist Pilot und damit der erste ESA-Astronaut, der für eine Artemis-Mission eingeteilt wurde. Parmitano war bereits zweimal für lange Zeit auf der Internationalen Raumstation und hat die Station 2019 als Kommandant geleitet. Bei Artemis III steuert er zusammen mit Bresnik die Triebwerke des Europäischen Servicemoduls. Dieses Modul ist der in Europa gebaute Antriebsteil der Orion-Kapsel und liefert außerdem Strom, Wasser und Luft für die Besatzung.

Drei Raketen, zwei Andockmanöver

Der Ablauf ist aufwendig: Drei Raumfahrzeuge starten mit drei verschiedenen schweren Raketen kurz nacheinander. Zuerst schickt Blue Origin eine Testversion seiner Mondfähre Blue Moon Mark 2 in eine Umlaufbahn rund 440 Kilometer über der Erde. Sie kann dort bis zu 30 Tage warten. Danach folgen die vier Astronauten in Orion auf der großen NASA-Rakete SLS vom Kennedy Space Center in Florida. Nach zwei Tagen Anflug koppelt Orion an die Fähre an, und die Crew darf für etwa zwei Tage hinüberwechseln. Sie öffnet die Luke, prüft Kabine, Bedienelemente und Lebenserhaltung und testet, ob die Fähre Luft und Druck zuverlässig hält. Zum ersten Mal überhaupt erlebt eine Besatzung damit eine kommerzielle Mondlandefähre im All.

Danach legt Orion wieder ab und nimmt Kurs auf ein zweites Ziel. SpaceX startet eine Testversion seines Riesenraumschiffs Starship, das an der Spitze einen zusätzlichen Andockmechanismus trägt. Weil Starship nicht so lange im All bleiben kann wie die Blue-Moon-Fähre, kommt es erst später in der Mission dazu. Orion dockt bis zu zwei Stunden lang an, die Astronauten steigen diesmal aber nicht um. Es geht darum, wie sich die beiden gekoppelten Raumschiffe steuern lassen und ob Funk und Software zusammenspielen. Anschließend bleiben bis zu fünf weitere Tage für Experimente, etwa Tests der Raumanzüge für Start und Landung, ein Zellbiologie-Versuch und Erd- und Sonnenbeobachtungen. Nach insgesamt rund 14 Tagen soll die Kapsel im Pazifik vor Kalifornien wassern.

Neue Wege zum Mond

Gleichzeitig hat die NASA verraten, wie die eigentlichen Mondflüge ab 2028 ablaufen sollen. Bisher sollten Orion und die Landefähre in einer weiten, langgestreckten Umlaufbahn um den Mond zusammentreffen. Diesen Plan gibt die NASA auf, damit es schneller geht. SpaceX will Starship zunächst in der Erdumlaufbahn betanken, indem mehrere Tanker-Raumschiffe Treibstoff zu einem wartenden Depot bringen. Dann koppelt die Starship-Fähre schon in der Erdumlaufbahn an Orion an und schiebt die Kapsel mitsamt Crew in eine niedrige Umlaufbahn um den Mond. Blue Origin verzichtet für den ersten Flug vorerst auf das Betanken im All. Die Firma schickt ihre Fähre stattdessen mit drei zusätzlichen Antriebsstufen zum Mond, die sich wie bei einer mehrstufigen Rakete nacheinander abtrennen.

Welche der beiden Firmen die ersten Astronauten tatsächlich auf den Mond bringt, ist noch offen. Die NASA will das davon abhängig machen, welche Fähre zuerst bereit ist. In beiden Fällen bleiben zwei Crewmitglieder in Orion, während die anderen beiden landen. Bei den ersten Landungen plant die NASA zwei jeweils rund zweistündige Ausflüge auf der Mondoberfläche, bei denen die Astronauten Proben sammeln und ihre neuen Raumanzüge erproben sollen. Vorher muss jede Firma ihre Fähre noch in einem unbemannten Probeflug zeigen.

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