Am Samstag, 5. September 2026, um 22:12 Uhr MESZ ist die Trägerrakete Spectrum des deutschen Unternehmens Isar Aerospace vom Weltraumbahnhof Andøya in Nordnorwegen gestartet. Rund sieben Minuten später war sie in der Erdumlaufbahn. An Bord waren fünf Kleinsatelliten und ein Technologie-Experiment, die laut der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR erfolgreich in ihren Zielbahnen ausgesetzt wurden. Damit hat erstmals eine privat entwickelte europäische Trägerrakete den Orbit erreicht – und zugleich die erste in Deutschland gebaute Rakete, die das geschafft hat.
Spectrum ist eine zweistufige Rakete, etwa 28 Meter hoch und zwei Meter dick. Im Regelbetrieb soll sie bis zu einer Tonne Nutzlast in einen niedrigen Erdorbit bringen. Angetrieben wird sie von Aquila-Triebwerken, die Propan und flüssigen Sauerstoff verbrennen: neun in der ersten Stufe, eines in der zweiten. Die Mission hieß „Onward and Upward“ und war der zweite Flug der Rakete. Der erste Versuch im März 2025 war nach etwa einer halben Minute wegen eines Haltungsfehlers abgebrochen; damals flog keine Kundennutzlast mit.
Wer dahintersteckt
Isar Aerospace sitzt in Ottobrunn bei München und wurde 2018 von Absolventen der Technischen Universität München gegründet. Die Nutzlasten dieses Flugs stammen nach Angaben des DLR aus Deutschland, Norwegen, Österreich, Slowenien und Bulgarien und erproben neue Satellitentechnik. Die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR hatte im Rahmen des Mikrolauncher-Wettbewerbs eine Startdienstleistung für Spectrum eingekauft und fördert die private Entwicklung solcher Träger in Deutschland. Die Europäische Weltraumorganisation ESA unterstützt das Unternehmen über das Programm Boost! und hat Isar Aerospace im European Launcher Challenge ausgewählt, einem Programm, das Europas Startangebot breiter und unabhängiger machen soll. Ein erster Meilenstein dort ist ein Orbitalflug spätestens 2027; mit dem Samstagsflug hat Isar diesen Punkt als erstes der Challenge-Unternehmen erfüllt.
Was der Start bedeutet
Navigation, Kommunikation und Erdbeobachtung hängen von Satelliten ab, und Satelliten brauchen einen Start. Europa hat mit Ariane 6 und Vega-C eigene große und mittlere Träger, bleibt aber bei vielen Starts auf wenige Anbieter angewiesen. Spectrum zielt auf den Markt der kleineren Satelliten und soll Starts günstiger und flexibler machen. ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher nannte den Flug einen historischen Start von Andøya und sprach von einem Schritt zu einem vielfältigeren europäischen Startsektor. Isar-Chef Daniel Metzler betonte, der Engpass Launch habe nun eine echte Alternative aus Kontinentaleuropa.
Weitere Spectrum-Raketen sind bereits in Produktion, und das Unternehmen will die Fertigung hochfahren. Geplant sind unter anderem mehr Starts von Andøya und langfristig weitere Startplätze. Ob Spectrum zum Alltagsgerät wird, entscheiden viele erfolgreiche Flüge hintereinander.