Hubble entdeckt ein Zehneck über Saturns Südpol

Das Weltraumteleskop Hubble hat über dem Südpol des Saturns eine riesige, zehnseitige Atmosphärenwelle entdeckt. Forschende haben die Aufnahmen am Mittwoch, 2. September 2026, vorgestellt. Es ist das erste Mal, dass am südlichen Saturnpol ein so großes, regelmäßig vieleckiges Strömungsmuster klar nachgewiesen wurde.

Viele kennen schon das Sechseck am Nordpol, eine Wolkenstruktur, die seit den Voyager-Vorbeiflügen in den frühen 1980er-Jahren bekannt ist und seither stabil bleibt. Das neue Zehneck im Süden, ein Dekagon, sitzt ebenfalls in einem der starken Höhenwinde des Gasriesen, verhält sich aber anders: Es scheint sich erst in den letzten Jahren verstärkt zu haben.

Wie das Zehneck gefunden wurde

Dass der Südpol überhaupt wieder gut zu sehen ist, liegt an den Jahreszeiten des Saturns. Seine Achse ist geneigt, deshalb verschwindet mal die Nord-, mal die Südhalbkugel aus dem Blick von der Erde; ab etwa 2023 kam der Südpol wieder in Sicht. Erste Hinweise kamen von Forschenden und Amateurbeobachtern. Agustín Sánchez-Lavega von der Universität des Baskenlandes und die Amateurbeobachter Trevor Barry und Jean-Paul Oger sahen 2024 eine wellige Bande nahe dem Südpol; 2025 wurde das Muster am Boden noch deutlicher. Hubble lieferte danach scharfe Aufnahmen über volle Saturn-Umdrehungen, ohne die Unruhe der Erdatmosphäre. Rückblickend finden sich Spuren des Zehnecks in Hubble-Daten schon ab 2023. Die Raumsonde Cassini, die Saturn von 2004 bis 2017 umkreiste, hatte dort noch keine dauerhafte Gegenstück-Struktur zum Nordpol-Sechseck erkannt.

Amy Simon vom Goddard Space Flight Center der NASA, Mitautorin der Studie und Leiterin des Hubble-Programms OPAL, das die äußeren Planeten regelmäßig fotografiert, sagt: Am Nordpol war das Sechseck bei jedem Blick der letzten mehr als vierzig Jahre da. Das südliche Muster sei anders, es werde stärker und gebe die seltene Chance, zuzusehen, wie sich so eine Riesenstruktur entwickelt.

Was Hubble sieht

Die Welle steckt nicht nur in den obersten Wolken. Hubble beobachtet in verschiedenen Wellenlängen und damit in unterschiedlichen Höhen, und das Zehneck zeigt sich über mehrere Schichten. Es driftet langsam ostwärts, viel langsamer als der Höhenwind, in dem es sitzt. Ob es sich wie das Nordpol-Sechseck auf Jahrzehnte stabilisiert oder weiter verändert, ist offen. Das Team will Saturn mit Hubble und dem James-Webb-Teleskop weiter beobachten und klären, was die Welle antreibt.

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