Symbolbild: eine Galaxie. Die Abbildung zeigt nicht das Weltraumteleskop Hubble.
Die NASA sucht nach einem Weg, das Weltraumteleskop Hubble länger am Leben zu halten. Am 29. Oktober hat die US-Raumfahrtbehörde eine offizielle Anfrage an die Industrie veröffentlicht. Darin will sie wissen, welche Firmen in den nächsten Jahren eine Mission zum Teleskop fliegen könnten, um es in eine höhere Umlaufbahn zu schieben, es zu warten oder es am Ende seiner Laufzeit kontrolliert zur Erde zurückzuholen. Interessierte Unternehmen können sich bis zum 30. November melden.
Ein Auftrag ist das noch nicht. Die NASA sammelt zunächst nur Informationen darüber, was technisch machbar ist, wer es leisten könnte und wie viel es kosten würde. Erst danach würde sie entscheiden, ob sie eine Mission tatsächlich ausschreibt.
Warum Hubble Hilfe braucht
Hubble kreist seit 1990 um die Erde, und zwar so tief, dass es noch die allerletzten, extrem dünnen Ausläufer der Atmosphäre streift. Diese Reibung bremst das Teleskop ganz leicht ab, und dadurch sinkt es mit den Jahren immer weiter. Ein eigenes Triebwerk, mit dem es sich wieder nach oben drücken könnte, hat Hubble nicht.
Nach einer Berechnung der NASA vom Juli 2026 liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Hubble bis September 2032 in die Atmosphäre eintritt, bei etwa zehn Prozent. Bis Dezember 2033 steigt sie auf etwa 50 Prozent. Wie schnell es wirklich geht, hängt auch von der Sonne ab: Ist sie sehr aktiv, bläht sich die obere Atmosphäre auf und bremst stärker. Passiert nichts, würde Hubble irgendwann unkontrolliert abstürzen. Deshalb müsste eine Rettungsmission laut NASA spätestens 2032 stattfinden.
Drei mögliche Missionen
Die NASA nennt in ihrer Anfrage drei Möglichkeiten, die auch kombiniert werden können. Die erste wäre ein Raumfahrzeug, das Hubble einfängt und auf mindestens 600 Kilometer Höhe anhebt, wo die Atmosphäre noch dünner ist und das Teleskop deutlich langsamer sinkt. Die zweite wäre eine Wartungsmission, die Hubble robuster macht und seine Leistung verbessert. Die dritte wäre ein Flug, der das Teleskop am Ende gezielt in die Atmosphäre lenkt, damit mögliche Trümmer sicher über unbewohntem Gebiet niedergehen. Alternativ könnte sie es in eine Entsorgungsbahn bringen.
Die Firmen müssten dabei fast alles selbst stellen: die Rakete, das Raumfahrzeug, die Missionssteuerung und, falls nötig, auch eine Crew. Die NASA würde technische Daten zu Hubble, die Beratung ihrer Fachleute und die Steuerung des Teleskops während des Manövers beisteuern. Oberste Bedingung ist, dass Hubble dabei keinen Schaden nimmt.
Ein zweiter Anlauf
Ganz neu ist die Idee nicht. Im Jahr 2022 hatten die NASA und SpaceX gemeinsam untersucht, ob eine Dragon-Kapsel Hubble anheben könnte. Den Vorschlag dazu hatte der Unternehmer Jared Isaacman mit seinem privaten Raumfahrtprogramm Polaris gemacht. Im Juni 2024 entschied die NASA, das vorerst nicht weiterzuverfolgen. Die Fachleute fürchteten unter anderem, dass ein Andockmanöver das empfindliche Teleskop beschädigen oder seinen Spiegel verschmutzen könnte. Hubble wäre damit womöglich früher verloren gewesen als ohne Hilfe. Inzwischen ist Isaacman selbst Chef der NASA. Er sagt, man müsse jede vernünftige Möglichkeit prüfen, Hubble so lange wie möglich weiterforschen zu lassen.
Dass sich der Aufwand lohnen könnte, zeigt die Nachfrage. Laut NASA bewerben sich Forschende um mehr als siebenmal so viel Beobachtungszeit, wie Hubble vergeben kann, und jedes Jahr entstehen mehr als tausend Fachartikel mit seinen Daten. Besonders wertvoll ist Hubbles Blick im ultravioletten Licht, das auch das deutlich größere James-Webb-Teleskop nicht abdeckt. Ein echter Nachfolger ist erst gegen 2040 zu erwarten. Bis dahin will die NASA die Lücke möglichst klein halten.
Zuletzt waren 2009 Astronautinnen und Astronauten mit dem Space Shuttle bei Hubble, um es zu reparieren und neue Instrumente einzubauen. Seit das Shuttle 2011 in den Ruhestand ging, hat kein Raumfahrzeug Hubble mehr besucht. Ob sich das bis 2032 ändert, hängt nun davon ab, welche Antworten bis Ende November bei der NASA eingehen.