ESCAPADE: Zwei Sonden schleudern sich an der Erde Richtung Mars

Symbolbild: Erde und Mars. Die Illustration zeigt weder die ESCAPADE-Sonden noch den Vorbeiflug.

Am Samstag und am Montag machen zwei NASA-Sonden etwas, das bisher keine Mars-Mission so geflogen hat. Die Zwillinge Blue und Gold der Mission ESCAPADE kommen wieder dicht an die Erde heran, lassen sich von ihrer Anziehungskraft beschleunigen und zünden dabei jeweils rund neun Minuten lang ihr Triebwerk. So sollen sie den nötigen Schwung für den Weiterflug zum Mars bekommen. Blue ist zuerst dran, etwa um 11 Uhr deutscher Zeit am 7. November. Gold folgt zwei Tage später, etwa um 12 Uhr am 9. November.

Beide Sonden sind etwa so groß wie ein Kühlschrank. Beim engsten Punkt fliegen sie nach NASA-Angaben zwischen rund 1.000 und 1.800 Kilometern über der Erdoberfläche, also höher als die meisten Satelliten im erdnahen Orbit. Der Triebwerksstoß soll ihre Geschwindigkeit um mehr als 1.600 Kilometer pro Stunde erhöhen. Danach beginnt ein gut zehnmonatiger Reiseflug. Ankunft am Mars ist für den 7. und 9. September 2027 geplant.

Warum der Umweg über die Erde

ESCAPADE startete am 13. November 2025 mit einer New-Glenn-Rakete von Blue Origin von Cape Canaveral. Damals standen Erde und Mars ungünstig zueinander, fast auf gegenüberliegenden Seiten der Sonne. Statt direkt zum Mars zu fliegen, legten die Sonden erst eine Warteschleife um den Lagrange-Punkt L2 ein, etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt auf der sonnenabgewandten Seite. Dort warteten sie, bis die Planeten wieder besser ausgerichtet waren. Jetzt nutzen sie die Erde als Schleuder: Die Kombination aus Vorbeiflug und Triebwerkszündung heißt auch Oberth-Manöver. Solche Vorbeiflüge an der Erde kennt die Raumfahrt, aber laut NASA hat bisher keine Mars-Sonde ein solches angetriebenes Manöver erfolgreich geflogen.

Unterwegs haben die Sonden schon Nebenbeobachtungen geliefert. Sie flogen durch einen weit entfernten Teil des Magnetschweifs der Erde, den noch keine Sonde direkt erkundet hatte. Die Auswertung soll später folgen. Nach den beiden Manövern prüft das Team mehrere Tage lang, wie gut der Kurs zum Mars sitzt, und plant bei Bedarf kleine Korrekturen.

Was ESCAPADE am Mars messen soll

Der Name ESCAPADE steht für Escape and Plasma Acceleration and Dynamics Explorers. Gebaut hat die Zwillinge Rocket Lab, geführt wird die Mission vom Space Sciences Laboratory der University of California in Berkeley. Daher stammen die Spitznamen Blue und Gold nach den Universitätsfarben. Am Mars sollen sie erstmals als koordiniertes Duo den Planeten umkreisen und messen, wie der Sonnenwind mit dem magnetischen Umfeld und der dünnen Atmosphäre des Planeten zusammenwirkt.

Der Mars hat kein starkes globales Magnetfeld wie die Erde, dafür aber Restmagnetismus in Teilen der Kruste. Der ständige Partikelstrom von der Sonne trägt dazu bei, dass die Atmosphäre über Milliarden Jahre dünner geworden ist. ESCAPADE soll helfen zu verstehen, wie Energie und Materie in dieses System hinein- und wieder hinausfließen, auch mit Blick auf künftige Missionen mit Menschen an Bord. Am Mars fliegen die Sonden zunächst hintereinander auf ähnlichen Bahnen, später auf unterschiedlichen, damit sie verschiedene Regionen gleichzeitig erfassen können.

Ob die Schleudermanöver wie geplant gelingen, zeigt sich in den Stunden und Tagen nach dem 7. und 9. November. Dann beginnt für Blue und Gold der lange Reiseflug zum Mars.

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