Beitragsbild: Symbolbild – kleiner unregelmäßiger Himmelskörper (Saturnmond Hyperion, Cassini). Nicht Didymos oder Dimorphos. Bild: NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute.
Die europäische Raumsonde Hera hat ihr Ziel zum ersten Mal so gesehen, wie es wirklich ist: als Paar. Auf einem Bild ihrer Navigationskamera sind der Asteroid Didymos und sein kleiner Begleiter Dimorphos erstmals als zwei getrennte Lichtpunkte zu erkennen. Die ESA hat die Aufnahme am 27. Oktober veröffentlicht. Hera war zu diesem Zeitpunkt rund 1280 Kilometer von den beiden Asteroiden entfernt, die Erde dagegen etwa 197 Millionen Kilometer.
Ein Pixel, aber deutlich getrennt
Spektakulär sieht das Bild noch nicht aus. Dimorphos nimmt darauf nur etwa einen einzigen Bildpunkt ein. Für das Missionsteam ist es trotzdem ein wichtiger Moment, denn bis dahin war das ganze System für die Kamera nur ein einzelner heller Punkt. Jetzt ist der kleine Mond klar von seinem größeren Partner getrennt, erklärt Hera-Projektwissenschaftler Michael Küppers. Missionsleiter Ian Carnelli spricht davon, dass man das Doppelsystem, für das Hera gebaut wurde, zum ersten Mal mit den eigenen Augen der Sonde sehe. Je näher Hera kommt, desto schärfer werden die Bilder. Die ersten detaillierten Aufnahmen von Dimorphos will die ESA am 25. November zeigen.
Möglich wurde der Blick durch zwei große Bremsmanöver im Oktober. Die Triebwerkszündungen im Abstand von einer Woche haben Hera so weit abgebremst, dass sie sich den Asteroiden nur noch mit etwa 20 Metern pro Sekunde nähert. Damit kann sich die Sonde in kleinen, genau geplanten Schritten heranarbeiten. Die Ankunft am Doppelasteroiden ist für Anfang November vorgesehen.
Zwei sehr ungleiche Partner
Didymos misst etwa 780 Meter und ist damit nur etwas kleiner als der Burj Khalifa in Dubai, das höchste Gebäude der Welt. Dimorphos misst rund 151 Meter, das entspricht etwa der Höhe der Cheops-Pyramide in Gizeh. Die beiden liegen im Mittel nur 1,15 Kilometer auseinander, und Dimorphos umkreist Didymos gemächlich mit etwa 18 Zentimetern pro Sekunde, also langsamer als ein Mensch geht.
Berühmt ist der kleine Asteroid wegen eines Experiments zur Abwehr gefährlicher Himmelskörper. Am 26. September 2022 schlug die NASA-Sonde DART mit 6,1 Kilometern pro Sekunde auf Dimorphos ein. Dabei schleuderte sie eine Trümmerwolke ins All und verkürzte die Umlaufzeit des Asteroiden um Didymos um rund 33 Minuten. Dimorphos ist damit der erste Himmelskörper im Sonnensystem, dessen Bahn Menschen messbar verändert haben.
Was Hera herausfinden soll
Offen ist bis heute, was der Einschlag mit Dimorphos selbst gemacht hat. Unklar ist etwa, ob DART auf Dimorphos nur einen Krater hinterlassen oder den ganzen Körper verformt hat. Auch Masse, Zusammensetzung und innerer Aufbau des kleinen Asteroiden kennt man noch nicht genau. Das ist wichtig, weil die Bahn stärker verändert wurde, als Computersimulationen vorhergesagt hatten. Erst mit diesen Antworten lässt sich einschätzen, wie gut sich die Methode eignet, einen Asteroiden durch einen gezielten Aufprall abzulenken, falls einmal einer auf die Erde zusteuern sollte.
Deshalb nimmt Hera die Einschlagstelle in den nächsten Monaten genau unter die Lupe, ähnlich wie Ermittler nach einem Unfall. Neben den eigenen Messgeräten helfen ihr dabei zwei etwa schuhkartongroße Kleinsatelliten, die sich dem Asteroiden noch weiter nähern können. Zum Abschluss sollen die beiden Kleinsatelliten sogar eine Landung versuchen. Ob auch Hera selbst aufsetzt, ist noch offen.