Im Archiv des NASA-Röntgenteleskops Chandra haben Astronominnen und Astronomen 84 Objekte gefunden, die sich kaum wie bekannte Röntgenquellen verhalten. Sie leuchten vor allem mit sehr weicher Röntgenstrahlung und bleiben in härteren Energiebändern praktisch unsichtbar. Die Entdeckung wurde am 9. September 2026 vorgestellt.
Mustafa Muhibullah von der University of Alabama, der die Studie geleitet hat, sagt: Eine Gruppe von Objekten, die so agieren, sei dem Team bisher noch nicht begegnet. Der nächste Schritt sei klar gewesen – herauszufinden, was dahintersteckt.
Die Quellen sitzen in sechs nahegelegenen Galaxien. Darunter sind die Spiralen M31, unsere Nachbargalaxie Andromeda, und M101, die Feuerradgalaxie, sowie vier elliptische Systeme. Die Objekte tauchen sowohl dort auf, wo gerade Sterne entstehen, als auch in Gebieten mit älteren Sternen. Gefunden wurden sie nicht mit einer neuen Mission, sondern in öffentlich zugänglichen Chandra-Daten aus vielen Beobachtungsjahren.
Warum sie so lange verborgen blieben
Chandra misst Röntgenlicht, also energiereiche Strahlung jenseits des Ultravioletten. Die neuen Quellen erscheinen vor allem in den niedrigsten Energiebändern, die das Teleskop noch erreicht, und verschwinden, sobald man auf höhere Energien schaut. Deshalb nennen die Forschenden sie hypersofte Röntgenquellen – weicher noch als die schon länger bekannten supersoften Quellen.
Ein großer Teil ihrer Energie scheint im extremen Ultraviolett zu stecken. Diese UV-Strahlung wird unterwegs oft von Wasserstoff und Helium zwischen den Sternen geschluckt. Zusammen mit dem schwachen, sehr weichen Röntgensignal erklärt das, warum die Objekte lange in einem blinden Fleck der Beobachtung lagen.
Was dahinterstecken könnte
Klar ist die Natur der Quellen noch nicht. Das Team hält Doppelsternsysteme für die wahrscheinlichste Erklärung: Ein Weißer Zwerg, ein Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch zieht Materie von einem Begleitstern ab. Die einfallende Materie heizt sich auf und strahlt – nur eben ungewöhnlich weich und mit starkem UV-Anteil. Solche Paare kennt man, aber nicht mit diesem Strahlungsprofil.
Genau darin steckt der mögliche Nutzen. Manche Systeme mit einem Weißen Zwerg könnten später als Supernova vom Typ Ia explodieren. Diese Explosionen dienen der Astronomie als Standardkerzen, um Entfernungen und die Expansion des Universums zu messen. Bisher sieht man sie vor allem nach dem Knall. Co-Autor Jimmy Irwin betont, wie wertvoll es wäre, die Vorläufer schon vorher zu erkennen.
Außerdem könnte die starke UV-Strahlung helfen zu erklären, warum Gas zwischen den Sternen in einer Galaxie ionisiert ist, also Elektronen abgibt. Heiße, massive Sterne tragen dazu bei, reichen aber allein oft nicht. Die sehr weichen Quellen könnten ein fehlendes Stück der Energiebilanz sein.
Co-Autorin Rosanne Di Stefano vom Center for Astrophysics | Harvard & Smithsonian fasst die Methode so zusammen: Indem man das Chandra-Archiv gezielt nach dem bisher vernachlässigten weichen Band durchsucht habe, sei ein blinder Fleck kleiner geworden – und eine neue Klasse kosmischer Objekte sichtbar geworden. Wie viele solcher Quellen es wirklich gibt und welche davon tatsächlich zu einer Supernova werden, muss die weitere Beobachtung klären.