ESA-Satellit FLEX misst Photosynthese aus dem All

In der Nacht zum 15. September 2026 soll vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana eine Vega-C abheben. An Bord sind zwei Erdbeobachtungssatelliten: FLEX, der Fluorescence Explorer der Europäischen Weltraumorganisation ESA, und Copernicus Sentinel-3C. Der Start ist für 03:21 Uhr MESZ geplant, also 22:21 Uhr Ortszeit am 14. September. Die Mission heißt VV30. FLEX wäre der erste Satellit, der die Photosynthese der Vegetation gezielt aus dem All messen soll – über ein schwaches Leuchten, das Pflanzen abgeben, während sie Licht in Energie umwandeln.

Photosynthese ist der Prozess, mit dem Pflanzen Wasser, Kohlendioxid und Sonnenlicht in Zucker umwandeln. Dabei wird ein winziger Teil der aufgenommenen Lichtenergie wieder abgestrahlt, als Fluoreszenz. Dieses Leuchten ist mit bloßem Auge nicht zu sehen, verrät aber, wie aktiv und wie gestresst die Pflanzen gerade sind. Trockenheit, Hitze oder veränderte Niederschläge ändern das Signal oft schon, bevor man Schäden am Boden klar erkennt. Genau dieses Signal soll FLEX global erfassen.

Was FLEX misst

An Bord sitzt das Instrument FLORIS, das Fluorescence Imaging Spectrometer. Es scannt das Licht spektral so fein, dass das schwache Fluoreszenzlicht vom viel helleren reflektierten Sonnenlicht getrennt werden kann. Die ESA will daraus monatliche Weltkarten der Vegetationsfluoreszenz ableiten, mit einer Auflösung von 300 mal 300 Metern. Über die geplante Mindestlebensdauer von dreieinhalb Jahren plus einer etwa dreimonatigen Inbetriebnahme soll FLEX mindestens drei Vegetationszyklen auf der Nord- und Südhalbkugel beobachten. Der Satellit wiegt rund 400 Kilogramm und fliegt in einer sonnensynchronen Bahn in etwa 814 Kilometern Höhe, mit einem Wiederholzyklus von 27 Tagen. Die Missionskontrolle liegt beim ESA-Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt.

Zusammen mit Sentinel-3

FLEX startet zwar zusammen mit Sentinel-3C, fliegt danach aber im Verbund mit einem Sentinel-3-Satelliten voraus – anfangs mit Sentinel-3A, vierzig bis hundert Kilometer vor ihm. Sentinel-3 liefert dazu Daten zu Wolken, Aerosolen, Wasserdampf, Oberflächentemperatur und Landbedeckung. Zusammen sollen die Messungen ein vollständigeres Bild davon geben, wie die Vegetation der Erde funktioniert und wie sie auf Umweltstress reagiert. Sentinel-3C selbst ist der dritte Satellit der Sentinel-3-Serie im EU-Programm Copernicus und setzt die Beobachtung von Ozeanen, Land, Eis und Atmosphäre fort; nach der Inbetriebnahme übernimmt EUMETSAT den Routinebetrieb.

Beide Satelliten hat Thales Alenia Space als Hauptauftragnehmer gebaut, das Instrument FLORIS kommt von Leonardo. Die ESA führt FLEX als achte Earth-Explorer-Mission ihres FutureEO-Programms. Am Morgen nach dem geplanten Start laden ESA, Europäische Kommission und Partner Medien und Gäste zum Wiedersehen des Starts ins ESOC nach Darmstadt ein, mit Updates aus den Kontrollräumen nebenan. Ob der Countdown hält, entscheidet sich in Kourou.

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