Die NASA hat die Hauptkamera ihres neuen Weltraumteleskops Nancy Grace Roman eingeschaltet. Das Wide Field Instrument, eine Infrarotkamera mit 300 Megapixeln, hat erstmals Sternenlicht eingefangen. Gleichzeitig hat das Team den Coronagrafen – das zweite Instrument an Bord – nach dem Aufwachen in ersten Tests durchgeprüft. Beides gehört zur monatelangen Inbetriebnahme, während Roman weiter zum Lagrange-Punkt L2 fliegt, rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Mehr zum Start und zum Aufbau des Observatoriums steht im Beitrag NASA-Teleskop Roman gestartet – Hubble-Schärfe, hundertfach mehr Himmel.
Kamera einschalten und erste Aufnahme
Vor dem Einschalten musste die Kamera etwa zehn Tage lang trockenlegen. Dabei lagen die Detektoren bei rund minus 65 Grad Celsius – für Weltraumverhältnisse noch vergleichsweise warm –, damit Feuchtigkeit und Spurenstoffe abgehen konnten. Am 11. September schaltete das Team die Heizung aus. Als die Kamera auf etwa minus 143 Grad abgekühlt war, konnten die 18 Infrarot-Detektoren aktiviert werden. Ihre gemeinsame Sensorfläche ist etwa so groß wie ein Laptop-Bildschirm. Danach folgten Tests der Kalibrierung, des Filterrads mit Prismen und Optiken und des Fokusmechanismus. Parallel kühlten die Detektoren weiter Richtung Betriebstemperatur von rund minus 183 Grad Celsius.
Eine erste Testaufnahme zeigt genau das, was in diesem Stadium erwartet wird: viele unscharfe Sterne, jeder über Tausende Pixel verschmiert. Die Detektoren sitzen noch in der Startstellung und sind weit vom besten Fokus entfernt. Die Aufnahme liefert dem Team eine Ausgangslage, um die Optik auszurichten und später scharfzustellen. Dann soll jeder Stern als klarer Punkt erscheinen, nicht als breiter Donut. Alle bisherigen Prüfungen seien wie geplant verlaufen, meldet die NASA. Erste Wissenschaftsbilder erwartet die Agentur Anfang 2027.
Coronagraf und Treibstoff
Der Coronagraf ist kein zweites Weitwinkel-Auge, sondern ein Technik-Demonstrator. Mit Masken, verformbaren Spiegeln und Sensoren soll er das blendende Licht eines Sterns so stark unterdrücken, dass schwaches reflektiertes Licht von Planeten darum herum sichtbar wird. Vom Commanding Center am Caltech/IPAC in Pasadena aus haben die Teams bestätigt, dass sie Software, Thermosteuerung, Mechanik, Kameras und Avionik fernsteuern können. Das Instrument soll – abgesehen von den Detektoren – bei etwa Zimmertemperatur arbeiten, rund 22 Grad Celsius. Jetzt folgt eine etwa 30-tägige Dekontamination: Die Detektoren bleiben warm, damit anhaftende Stoffe leichter abgehen. Bis zur Ankunft am Zielpunkt L2 bleiben noch rund zwölf Wochen; dort soll Roman Anfang Dezember eintreffen.
Parallel dazu hat die Auswertung der ersten Bahnkorrektur gute Nachrichten geliefert. Roman war für etwa zehn Jahre Treibstoff ausgelegt – fünf Jahre Hauptmission plus fünf Jahre Verlängerung. Weil der Start präzise war, die Sonde leichter als geplant startete und die erste Korrektur am 31. August sehr treffsicher und mit deutlich weniger Treibstoff als budgetiert gelang, rechnet die NASA jetzt mit Treibstoff für mindestens 22 Jahre mögliche Beobachtungszeit. Eine zweite, voraussichtlich kleine Korrektur soll noch im September folgen. Treibstoff ist der begrenzende Rohstoff an Bord; was gespart wird, kann später in längere Beobachtungskampagnen fließen.
Roman soll später weite Himmelsfelder mit Hubble-artiger Schärfe kartieren: Dunkle Energie, die Verteilung der Materie und eine Statistik von Exoplaneten stehen im Zentrum. Dafür muss die Kamera erst scharf und kalibriert sein.