Mondkrater McGetchin: Der größte frische Einschlag seit Jahrzehnten

Auf dem Mond ist zwischen dem 11. April und dem 22. Mai 2024 ein Krater entstanden, den es vorher noch nicht gab. Der NASA-Mondorbiter Lunar Reconnaissance Orbiter, kurz LRO, hat ihn jetzt in Vorher-nachher-Bildern bestätigt: McGetchin ist rund 222 Meter breit und etwa 43 Meter tief – so groß wie zwei Fußballfelder nebeneinander und tief genug, dass man drei Schulbusse übereinander darin versenken könnte. Die NASA hat die Entdeckung Mitte September 2026 vorgestellt. Es ist der größte neu entstandene Krater, den Forschende bisher im Sonnensystem so klar mit frischen Aufnahmen belegen konnten.

Entstanden ist der Krater, als ein Brocken von der Größe eines drei- bis sechsstöckigen Hauses – ein Asteroid oder Kometenfragment – ohne Atmosphäre ungehindert auf die Mondoberfläche einschlug. Auf der Erde würden solche Körper oft schon in der Luft zerbrechen oder verglühen. Auf dem Mond trifft alles direkt. Modelle erwarten Einschläge dieser Größenordnung nur etwa einmal in 130 Jahren. Kleinere neue Krater entstehen dagegen ständig: LRO hat in mehr als 17 Jahren Mission mindestens 1000 frische Einschläge gezählt und rund 100.000 weitere Oberflächenänderungen markiert.

Wie der Krater auffiel

Robert Wagner vom LROC-Team – den Kameras an Bord von LRO – war am 24. Oktober 2025 bei einer Routineprüfung unterwegs. Er verglich globale Mondkarten aus verschiedenen Jahren und suchte nach Stellen, die sich verändert hatten. Dabei fiel ein ungewöhnlich heller Fleck mit dunklem Hof auf: Material, das frisch aufgewirbelt worden war. „Ich habe alles stehen und liegen gelassen und mir diesen Fleck genauer angeschaut“, sagte Wagner laut NASA.

Die Weitwinkelkamera hatte den Einschlagsort am östlichen Mondrand zuerst grob erfasst. Später flog LRO mit der schärferen Engwinkelkamera darüber und maß Größe, Form und die Umgebung. Der Krater trägt den Namen des Mondforschers Tom McGetchin, der sich in der Apollo-Zeit mit Einschlagsphysik beschäftigt hatte. Die Internationale Astronomische Union hat den Namen übernommen.

Kalter Hof und weit gestreutes Material

Nicht nur die Kamera hatte etwas zu sagen. Das Wärmeinstrument Diviner an Bord von LRO maß rund um McGetchin eine Zone von etwa sechs Kilometern Durchmesser, die nachts rund neun Grad Celsius kühler ist als die Nachbarschaft. Der Einschlag hat den feinen Mondstaub aufgelockert. Lockeres Material speichert Wärme schlechter – deshalb bleibt die Stelle nach Sonnenuntergang kälter. Solche kalten Flecken zeigen: Ein einzelner Treffer verändert die Oberfläche weit über den Kraterrand hinaus.

Das LROC-Team berichtet zudem von Störungen im Boden über mehr als 100 Kilometer Entfernung. Material wurde also nicht nur in die unmittelbare Auswurfdecke geschleudert, sondern hat die Umgebung auf große Distanz beeinflusst. Für künftige Rover und Stationen auf dem Mond ist das praktisch relevant: Auch weit entfernte Einschläge können den Boden anders machen, als Karten zuvor vermuten ließen.

McGetchin liegt an einer Grenze zwischen dunklem Marebasalt und hellerem Hochlandgestein. Der Einschlag hat Material aus tieferen Schichten freigelegt und um den Krater verteilt – ein natürliches Aufreißen der Mondkruste, das Forschende sonst nur an alten Kratern rekonstruieren können. LRO fliegt weiter und liefert Vergleichsbilder. So wird McGetchin zu einem frischen Labor für Einschläge: entstanden 2024, gefunden 2025 und öffentlich ausgewertet 2026.

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