BepiColombo stößt Transfermodul ab – Anflug auf Merkur beginnt

Am Donnerstag, 3. September 2026, um 14:00 Uhr MESZ hat die europäisch-japanische Mission BepiColombo ihr Merkur-Transfermodul abgestoßen. Das Modul hatte die beiden Forschungssonden seit dem Start 2018 durch das innere Sonnensystem gebracht. Rund zwei Stunden später, gegen 15:52 Uhr MESZ, meldeten die ESA-Bodenstationen in Cebreros in Spanien und Malargüe in Argentinien: Die Trennung ist gelungen, die Telemetrie wirkt normal, und die Solarpaneele des europäischen Orbiters laden die Batterien.

Damit beginnt offiziell die Ankunftsphase am Merkur – dem kleinsten und sonnennächsten Planeten unseres Sonnensystems. Die Sonde war zu dem Zeitpunkt mehr als 200 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Ein Funksignal braucht in dieser Entfernung etwa elf Minuten in eine Richtung. Realzeit-Steuerung ist also unmöglich; das Team am Europäischen Raumflugkontrollzentrum ESOC in Darmstadt musste das Manöver vorab präzise planen und dann auf die Bestätigung warten.

BepiColombo ist eine gemeinsame Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der japanischen Raumfahrtagentur JAXA. An Bord fliegen zwei Orbiters: der europäische Mercury Planetary Orbiter (MPO), der später Oberfläche, Gestein und Inneres untersuchen soll, und der japanische Mercury Magnetospheric Orbiter Mio, der sich auf das Magnetfeld und die Wechselwirkung mit dem Sonnenwind konzentriert. Das abgestoßene Transfermodul hatte sie mit Ionenantrieben und großen Solarflächen über Jahre hinweg abgebremst und navigiert. Nach dem Abstoß treibt der verbleibende Stapel aus MPO und Mio mit dem chemischen Antrieb des europäischen Orbiters weiter.

Der Start war am 20. Oktober 2018 mit einer Ariane 5 vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou. Seitdem hat die Mission einen Erdvorbeiflug, zwei Venusvorbeiflüge und sechs Merkurvorbeiflüge hinter sich, um Geschwindigkeit abzubauen. Ein Problem an den Solarpaneelen des Transfermoduls hatte 2024 die Schubkraft der Ionenantriebe verringert; die Ankunft am Merkur verschob sich dadurch von Dezember 2025 auf November 2026. Die Wissenschaftsziele blieben laut ESA erhalten.

Elsa Montagnon, Leiterin des Flugkontrollteams, nannte die gelungene Trennung das bestmögliche Szenario; die Telemetrie wirkt normal. Bruno Sousa von der ESA sprach von einer neuen Mission, die an diesem Tag beginne. Die Trennung setzt die Sonden noch nicht in den Merkurorbit: Am 21. November 2026 sollen MPO und Mio gemeinsam in eine erste Umlaufbahn einschwenken, am 9. und 10. Dezember trennen sie sich voneinander, und die wissenschaftliche Phase soll im April 2027 starten. BepiColombo wäre dann die erste Mission, die Merkur mit zwei Sonden gleichzeitig umkreist, und erst die zweite überhaupt, die den Planeten dauerhaft umrundet – nach der NASA-Sonde Messenger, die von 2011 bis 2015 im Orbit war.

Merkur ist ein schwieriges Ziel: starke Sonneneinstrahlung, extreme Temperaturunterschiede und eine geringe Schwerkraft machen das Abbremsen riskant. Genau deshalb zählt die ESA die kommenden Monate zu den anspruchsvollsten Ankunftssequenzen, die sie je geflogen hat. Für uns auf der Erde heißt das vor allem: Der kleinste Planet rückt ein großes Stück näher an die Forschung heran – und der erste Schritt dafür ist am Donnerstag geglückt.

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