Venus ist der zweitinnerste Planet unseres Sonnensystems und gilt als „Schwesterplanet“ der Erde. Sie hat fast die gleiche Größe und Masse wie unser Heimatplanet. Dennoch könnte die Umwelt auf Venus unterschiedlicher nicht sein: Mit einer extrem dichten Atmosphäre, einem gewaltigen Treibhauseffekt und Oberflächentemperaturen, die Blei schmelzen lassen, ist Venus die heißeste Welt im Sonnensystem. Trotz ihrer Schönheit am Abend- und Morgenhimmel verbirgt sich unter den dichten Wolken eine höllische Welt, die seit Jahrzehnten die Fantasie von Wissenschaftlern und Schriftstellern anregt.
Steckbrief: Die Venus
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Durchmesser | 12.104 km |
| Masse | 4,867 × 10²⁴ kg (0,815 Erdmassen) |
| Mittlere Entfernung zur Sonne | 108,2 Millionen km (0,723 AE) |
| Umlaufzeit (siderisches Jahr) | 224,7 Erdtage |
| Rotationsdauer (siderischer Tag) | 243,025 Erdtage (retrograd) |
| Länge eines Sonnentages | ca. 117 Erdtage |
| Durchschnittliche Orbitalgeschwindigkeit | 35,0 km/s |
| Oberflächentemperatur | ca. 464 °C (durchschnittlich) |
| Atmosphärendruck an der Oberfläche | 92 bar (92-facher Erddruck) |
| Schwerkraft an der Oberfläche | 8,87 m/s² (91 % der Erdgravitation) |
| Dichte | 5,24 g/cm³ |
| Albedo (Rückstrahlvermögen) | ca. 0,77 (sehr hoch durch Wolkendecke) |
| Monde | keine |
| Ringe | keine |
| Axialneigung | 177,4° (fast auf dem Kopf stehend) |
Größe und innerer Aufbau von Venus
Venus ist der Erde in Größe und Masse sehr ähnlich und wird deshalb oft als „Erdzwilling“ bezeichnet. Ihr Durchmesser beträgt 12.104 km – nur 5% weniger als der Durchmesser der Erde. Auch die mittlere Dichte ist vergleichbar. Im Inneren besitzt Venus wahrscheinlich einen ähnlichen Aufbau wie die Erde: einen Eisen-Nickel-Kern, einen Mantel aus Silikaten und eine Kruste. Allerdings ist ihr Magnetfeld extrem schwach, fast nicht vorhanden. Das liegt vor allem an der sehr langsamen Rotation.
Umlauf und Rotation von Venus
Venus dreht sich retrograd, also in die entgegengesetzte Richtung wie die meisten anderen Planeten (einschließlich der Erde). Ein siderischer Tag auf Venus dauert 243 Erdtage – länger als ein Venusjahr (225 Erdtage). Ein voller Sonnentag (von Sonnenaufgang bis zum nächsten Sonnenaufgang) dauert auf Venus etwa 117 Erdtage. Die Sonne geht also im Westen auf und im Osten unter.
Dichte Atmosphäre und extremer Treibhauseffekt
Die Atmosphäre von Venus besteht zu etwa 96 % aus Kohlendioxid. Sie ist extrem dicht und erzeugt einen gewaltigen Treibhauseffekt. Die dicken Schwefelsäurewolken reflektieren zwar viel Sonnenlicht (daher die hohe Albedo), halten aber gleichzeitig die Wärme am Boden. Dadurch beträgt die durchschnittliche Oberflächentemperatur rund 464°C – heiß genug, um Blei und Zink zu schmelzen. Der Atmosphärendruck an der Oberfläche ist etwa 92-mal höher als auf der Erde – vergleichbar mit dem Druck in 900 Metern Wassertiefe.
Temperatur und Druck auf der Venus
Auf Venus herrschen extrem lebensfeindliche Bedingungen. Die durchschnittliche Oberflächentemperatur beträgt etwa 464°C. Gleichzeitig liegt der Atmosphärendruck an der Oberfläche bei rund 92 bar. In den höheren Schichten der Atmosphäre gibt es zudem hochkonzentrierte, korrosive Schwefelsäurewolken, die die Oberfläche zusätzlich unbewohnbar machen.
Die Oberfläche von Venus
Unter den dichten Wolken verbirgt sich eine Oberfläche, die von der Radarsonde Magellan in den 1990er Jahren detailliert kartiert wurde. Es gibt ausgedehnte Tiefebenen, zwei große Hochländer (Ishtar Terra und Aphrodite Terra) und Tausende von Vulkanen. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass Venus noch heute vulkanisch aktiv ist. Es gibt Hinweise auf relativ junge Lavaflüsse. Krater sind auf Venus vergleichsweise selten, weil die dichte Atmosphäre kleinere Meteoriten verglühen lässt und weil vulkanische Aktivität die Oberfläche immer wieder erneuert.
Mythologie und frühe Beobachtungen
Venus war schon in der Antike bekannt und ist nach der römischen Göttin der Liebe und Schönheit benannt. Wegen ihrer großen Helligkeit (bis zu −4,6 mag) ist sie der hellste „Stern“ am Himmel nach Sonne und Mond. Sie ist als Morgenstern (Phosphoros) und Abendstern (Hesperos) sichtbar.
Die Erforschung von Venus
Venus wurde von zahlreichen Raumsonden besucht:
- Sowjetische Wenera-Sonden landeten in den 1970er und 1980er Jahren auf der Oberfläche und überlebten teilweise bis zu zwei Stunden.
- Die NASA-Sonde Magellan (1989–1994) kartierte die Oberfläche mit Radar.
- Die ESA-Sonde Venus Express (2006–2014) untersuchte die Atmosphäre.
- Die japanische Sonde Akatsuki umkreist Venus seit 2015 und liefert weiterhin Daten.
Aktuell geplante Missionen sind die NASA-Missionen DAVINCI und VERITAS sowie die ESA-Mission EnVision, die in den 2030er Jahren starten sollen.
Spannende Fakten über Venus
- Venus ist der einzige Planet, der sich rückwärts dreht.
- Ein Tag auf Venus ist länger als ein Jahr.
- Die Schwefelsäurewolken in der oberen Atmosphäre sind hochkonzentriert und extrem korrosiv.
- Venus hat keine Monde.
- Die Oberfläche ist relativ jung (durchschnittlich nur etwa 500 Millionen Jahre alt).
- Venus ist der heißeste Planet im Sonnensystem – heißer als Merkur, obwohl sie weiter von der Sonne entfernt ist.
- Die dichte Atmosphäre erzeugt einen extrem starken Treibhauseffekt, der als extremes Beispiel für den Klimawandel auf der Erde dient.