Am Sonntag, 30. August 2026, um 13:26 Uhr MESZ ist das Nancy Grace Roman Space Telescope vom Kennedy Space Center in Florida gestartet. Eine Falcon Heavy von SpaceX hob von Startrampe 39A ab. Rund 31 Minuten später trennte sich das Observatorium von der Rakete. Es ist jetzt auf dem Weg zum Lagrange-Punkt L2, etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt – dieselbe Region, in der auch das James-Webb-Teleskop arbeitet.
Roman ist das nächste große NASA-Weltraumteleskop nach Hubble und Webb. Der Hauptspiegel hat denselben Durchmesser wie Hubble: 2,4 Meter. Der Unterschied sitzt im Blickfeld. Die 300-Megapixel-Kamera Wide Field Instrument erfasst pro Aufnahme mehr als 100-mal so viel Himmel wie Hubbles größte Kamera. Die NASA rechnet damit, dass Roman den Infrarot-Himmel bis zu 1.000-mal schneller durchmustern kann als Hubble. Ein einzelner Roman-Frame ist größer als der Vollmond.
Was Roman erforschen soll
Zwei große Fragen stehen im Zentrum. Erstens: Bleibt die Dunkle Energie, die das Universum immer schneller ausdehnt, konstant – oder verändert sie sich mit der Zeit? Dafür soll Roman über eine Milliarde Galaxien kartieren, mit schwacher Gravitationslinse, Galaxienverteilung und Typ-Ia-Supernovae. Die Messungen ergänzen das ESA-Teleskop Euclid, das seit 2023 ähnliche Ziele verfolgt.
Zweitens: Wie häufig sind Planeten, die wir von der Erde aus kaum sehen? In Richtung des galaktischen Zentrums soll Roman mit Mikrogravitationslinsen mehr als 1.000 weit außen kreisende Exoplaneten finden. Dieselben Daten sollen über 100.000 bedeckende Planeten liefern – ein statistischer Zensus statt einzelner spektakulärer Funde.
Zusätzlich fliegt ein Coronagrafen-Instrument mit, ein Technik-Demonstrator. Es soll das Licht eines Sterns so stark unterdrücken, dass gasriesenähnliche Planeten direkt fotografiert werden können. Ein sonnenähnlicher Stern ist rund eine Milliarde Mal heller als ein Jupiter-Zwilling – das CGI soll diesen Kontrast erstmals im All schaffen. Es ist nicht die Hauptkamera, und es wird keine zweite Erde liefern. Es ist der Wegbereiter für ein späteres Habitable Worlds Observatory.
Heidelberg an Bord
„Das CGI an Bord des Weltraumteleskops Roman ist das anspruchsvollste optische Beobachtungsinstrument, das bislang im Weltall zur Forschung eingesetzt wurde“, sagt Oliver Krause vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Das MPIA ist der einzige direkte deutsche NASA-Partner bei Roman. Krauses Gruppe hat die Precision Alignment Mechanisms gebaut: Mechanismen, die Spiegel und Optik über acht Stunden hinweg um höchstens 40 Millibogensekunden verkippen dürfen. Das MPIA vergleicht das mit dem Winkel, unter dem man von Heidelberg aus die Größe eines Menschen in Los Angeles wahrnehmen würde. Gebaut wurden die Teile zusammen mit der Firma von Hoerner & Sulger in Schwetzingen.
Die ESA steuerte Sternsensoren, Batterien und Detektoren für den Coronagrafen bei. Später soll unter anderem die neue 35-Meter-Antenne in New Norcia in Australien die Daten herunterholen. Roman sendet rund 1,4 Terabyte pro Tag – mehr als jedes bisherige NASA-Astrophysik-Observatorium. Nach der Verarbeitung werden die Daten öffentlich.
Die nächsten 100 Tage
Etwa 1 Stunde und 23 Minuten nach dem Start klappten Solarpaneele und der untere Sonnenschutz auf. Am 31. August um etwa 18:02 Uhr MESZ zündete Roman die erste Bahnkorrektur, rund drei Minuten lang. In etwa 100 Tagen soll das Teleskop am Punkt L2 ankommen. Die NASA erwartet erste Bilder Anfang 2027.
NASA-Administrator Jared Isaacman nannte Roman „genau die Art von Erfolgsgeschichte, die wir bei der NASA sehen wollen“: vor dem Zeitplan und im Budget geliefert. Die geplante Missionsdauer beträgt mindestens fünf Jahre. Senior-Projektwissenschaftlerin Julie McEnery sagte: „Wir konnten das Universum noch nie mit Augen wie denen von Roman betrachten.“
Hubble schaut tief und scharf in ein kleines Feld. Roman soll denselben Schärfegrad über weite Himmelsfelder legen – ein Atlas statt einzelner Porträts. Zusammen mit Euclid, James Webb und dem Vera-C.-Rubin-Observatorium am Boden entsteht in den nächsten Jahren ein neues Bild davon, wie sich das Universum ausdehnt und wie häufig Planeten wirklich sind.