Juice ist dicht an der Erde vorbeigeflogen

Am 28. September 2026 ist Europas Jupiter-Sonde Juice der Erde wieder ganz nah gekommen. Die ESA führte die Sonde über dem Indischen Ozean in etwa 8640 Kilometer Höhe vorbei – rund zwanzigmal so hoch wie die Internationale Raumstation. Der engste Punkt lag bei 13:45 Uhr MESZ. Dabei änderte sich die Flugbahn um rund 20 Grad, und Juice gewann etwa 3,5 Kilometer pro Sekunde an Tempo. Ohne diese Schwunghilfe müsste die Mission viel mehr Treibstoff mitführen.

Die Sonde ist seit dem Start am 14. April 2023 unterwegs, damals mit einer Ariane 5 vom Weltraumhafen in Französisch-Guayana. 2024 brachte sie der erste Doppelvorbeiflug an Mond und Erde als Bremsmanöver auf eine Abkürzung über die Venus, 2025 holte sie sich dort zusätzliches Tempo. Jetzt fehlt nur noch ein letzter Erdvorbeiflug im Januar 2029. Dann soll Juice im Juli 2031 bei Jupiter ankommen und später den großen Eismond Ganymed umkreisen. Die ESA meldete am 28. September den Erfolg.

Warum die Erde gebraucht wird

Direkt zu Jupiter zu fliegen und dort hart abzubremsen, wäre schneller – aber teuer an Treibstoff und Rakete. Stattdessen nutzt Juice die Schwerkraft von Erde, Mond und Venus, um Bahn und Tempo fast kostenlos zu ändern. So bleibt genug Treibstoff für den Eintritt in den Jupiter-Orbit 2031 und später für die Bahn um Ganymed 2034. Juice soll dort Jupiter und die ozeantragenden Monde Ganymed, Callisto und Europa genauer anschauen: als mögliche Lebensräume und als Modell für Gasriesen-Systeme.

Instrumente an, erste Bilder da

Seit dem 23. September und noch bis zum 3. Oktober kommen alle zehn Wissenschaftsinstrumente zum Einsatz, je nach Energiebudget abwechselnd, und nehmen Daten von Erde und Mond auf. So können die Teams ihre Geräte an echten Oberflächen kalibrieren und die Auswertungswege üben, bevor es um Jupiter und die Eismonde geht. Juice verbrachte dabei auch mehrere Tage im Schweif des Erdmagnetfelds – einer langen Struktur aus geladenen Teilchen, die der Sonnenwind wie einen Windsack von der Erde wegzieht. Dort waren besonders spannende Magnetfeldmessungen möglich.

Vor dem engsten Punkt, von 21:24 Uhr MESZ am 27. September bis 06:03 Uhr MESZ am 28. September, steckte Juice im Erdschatten. Ohne Sonnenlicht lief sie nur auf Batterie. Deshalb priorisierte das Team in dieser Phase die wichtigsten Instrumentenmessungen, damit der Energiespeicher nicht leer wurde.

Die ESA hat bereits erste Bilder vom Vorbeiflug auf ihrer Website veröffentlicht. Eine der beiden Überwachungskameras an Bord zeigte um 13:58 Uhr MESZ weite Teile Afrikas samt Madagaskar. Die Navigationskamera, die Juice später zwischen den Jupitermonden steuern soll, fotografierte um 03:27 Uhr MESZ den Mond und zwei Minuten nach dem engsten Punkt einen Teil Madagaskars. Bilder und Spektren einiger Instrumente, darunter hochaufgelöste Aufnahmen von Mond und Erde mit der Kamera JANUS, will die ESA in den kommenden Wochen veröffentlichen, sobald die Teams sie ausgewertet haben.

Die Navigationskampagne für den Vorbeiflug läuft seit dem 17. August; noch bis zum 10. Oktober verfolgt das Team die Sonde besonders genau. Sechs Korrekturfenster waren vorgesehen; am Ende reichte ein einziges kleines Bahnmanöver vier Wochen vor dem Termin. Nach Angaben der ESA verbrauchte das Team nur wenig von dem Treibstoff, der für den Vorbeiflug reserviert war – so bleibt mehr für die Beobachtungen der Eismonde bei Jupiter. Juice ist eine ESA-Mission mit Beiträgen von NASA, JAXA und der israelischen Raumfahrtagentur.

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