ExoMars: Rover-Zwilling Amalia übt Abstieg vom Lander

Symbolbild: Mars-Oberfläche, aufgenommen von der NASA-Landesonde Phoenix (2008). Das Bild zeigt nicht den ExoMars-Rover Rosalind Franklin oder das Testmodell Amalia. Bild: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona

Ein vollständiges Testmodell des ExoMars-Rovers Rosalind Franklin hat in Turin den ersten heiklen Schritt der Mission geprobt: das Herunterfahren von der Landeplattform. In einer zwei Monate dauernden Testreihe absolvierte der Zwilling Amalia mehr als 20 Durchgänge, unter anderem bei reduzierter Schwerkraft, in Schräglage und mit Hindernissen unter den Rampen.

Der Fachbegriff für das Manöver lautet Egress. Der Rover kann die Plattform über zwei Rampenpaare verlassen, eines vorne, eines hinten. In welche Richtung er fährt, legt die Bodenkontrolle fest. Sie kennt das Gelände nach der Landung allerdings nur von Orbiter-Aufnahmen, und Felsbrocken oder Gefälle könnten einen der Ausgänge unpassierbar machen. „Auf dem Mars haben wir nur eine Chance. Sobald wir von der Plattform herunter sind, gibt es kein Zurück, also müssen wir es richtig machen“, sagt Eric Zekri, Leiter des ExoMars-Rover-Teams der ESA, in einer Mitteilung der Raumfahrtagentur.

Mars-Schwerkraft, Schräglage, Hindernisse

Getestet wurden Ausfahrten nach vorne und nach hinten, jeweils unter erschwerten Bedingungen. Um die Mars-Schwerkraft von rund einem Drittel des Erdwerts nachzubilden, nahm eine Hebevorrichtung an der Hallendecke dem 300 Kilogramm schweren Rover zwei Drittel seines Gewichts ab. Für eine Schräglage von 20 Grad neigte eine Hydraulikplattform Rover und Landermodul. Zusätzlich lagen Hindernisse unter den Rampen, die eine Landung auf Felsen oder unebenem Untergrund simulierten. Die drei Meter langen Aluminiumrampen stammen von der polnischen Firma Astronika; ihr Wabenprofil verbessert die Haftung.

„Es ist unglaublich lohnend zu sehen, wie der Rover unter so anspruchsvollen Bedingungen und in einem marsähnlichen Szenario erfolgreich von der Plattform fährt“, sagt Chiara Lombardi, Ingenieurin für die Schnittstelle zwischen Rover und Lander bei ExoMars, laut ESA. Dass die Rampen so gut funktioniert haben, zeige die Qualität der Konstruktion und bringe die Mission einen wichtigen Schritt näher an die Mars-Oberfläche.

Vorbereitung auf 2030

Durchgeführt haben die Kampagne Teams von Thales Alenia Space, dem industriellen Hauptauftragnehmer der Mission, in den Anlagen von ALTEC in Turin. Dort standen ein Nachbau der Lander-Plattform und das Testmodell Amalia. Die Versuche liefen im Sommer, die ESA stellte die Ergebnisse am Montag vor. Die Erkenntnisse sollen in die Betriebsabläufe einfließen, bevor Rosalind Franklin 2030 auf der Mars-Oberfläche losfährt.

Rosalind Franklin soll auf dem Mars nach Spuren früheren Lebens suchen und dafür bis zu zwei Meter tief in den Boden bohren. Damit die Forschung beginnen kann, muss zuerst die Fahrt von der Plattform klappen. Diesen Schritt haben die Teams jetzt unter schwierigen Bedingungen geprobt.

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