Beitragsbild: Symbolbild – kleiner unregelmäßiger Himmelskörper (Saturnmond Hyperion, Cassini). Nicht Didymos oder Dimorphos. Bild: NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute.
Am Donnerstag, dem 15. Oktober, beginnt für die europäische Asteroidensonde Hera die heikelste Phase seit ihrem Start: Sie muss kräftig abbremsen. Dazu richtet Hera ihre Haupttriebwerke auf das Ziel aus; nach ESA-Angaben laufen drei Hydrazin-Triebwerke zusammen 93 Minuten am Stück. Danach soll die Sonde gegenüber den Asteroiden einige hundert Meter pro Sekunde langsamer sein – nahe genug, um später an Didymos heranzukommen.
Gestartet ist Hera am 7. Oktober 2024 in Cape Canaveral (Florida). Seitdem ist sie überwiegend ohne Antrieb unterwegs; zwei Kurskorrekturen im tiefen All und ein Vorbeiflug am Mars im Frühjahr 2025, der zusätzlichen Schwung brachte, haben sie auf Kurs Richtung Didymos gebracht. Gegenüber der Erde rast sie inzwischen mit mehr als zwölf Kilometern pro Sekunde dahin – viel zu schnell, um ohne Abbremsen am Ziel zu bleiben. Die ESA spricht von der schwierigsten Aufgabe seit dem Start.
Zwei große Impulse, dann Feintuning
Vorbereitet wurde das erste Bremsmanöver (BRM-1) unter anderem mit einem kurzen Testimpuls am 2. Oktober. Gleich nach Brennschluss am frühen Donnerstagmorgen soll die ESA-Bodenstation New Norcia in Australien mit einer ihrer 35-Meter-Antennen wieder Kontakt aufnehmen. Aus Bordsensordaten sowie aus Laufzeit- und Frequenzmessungen des Funksignals lesen die Flugdynamiker dann ab, ob Hera wie berechnet abgebremst hat. Eine Woche später, am frühen Morgen des 22. Oktober, ist mit rund 31 Minuten ein deutlich kürzerer zweiter Brennvorgang (BRM-2) angesetzt. Er soll den größten Rest der Abbremsung übernehmen und etwaige Ungenauigkeiten des ersten Manövers korrigieren. Bis Ende Oktober folgen drei kleinere Manöver – danach soll Hera nahezu im Gleichschritt mit dem Asteroidenpaar fliegen.
Hinter den Rechnungen sitzt das Flugdynamik-Team der ESA im Europäischen Raumflugkontrollzentrum ESOC in Darmstadt. Für Hera sind mehr als fünfzig Spezialistinnen und Spezialisten eingeplant; pro Schicht arbeiten rund zehn Personen an den Daten. Ihre Aufgabe: aus Funk- und Bordsensordaten den aktuellen Ort der Sonde ermitteln und daraus die Steuerbefehle für die nächsten Schritte ableiten.
Untersuchung nach dem DART-Einschlag
Ziel von Hera ist nicht irgendein Asteroid, sondern die Einschlagstelle eines geplanten Experiments. Am 26. September 2022 rammte die NASA-Sonde DART den kleinen Mond Dimorphos, der um den größeren Asteroiden Didymos kreist. Laut NASA verkürzte der Einschlag die Umlaufzeit von Dimorphos um etwa 33 Minuten – der erste nachgewiesene Fall, in dem Menschen die Bahn eines Himmelskörpers gezielt verändert haben. Hera soll aus der Nähe vermessen, wie Dimorphos danach aussieht, wie er rotiert und wie sich der Einschlag ausgewirkt hat. Daraus wollen Forschende ableiten, wie man einen gefährlichen Asteroiden zuverlässig ablenken könnte, falls einer der Erde zu nahe käme.
Die Ankunft am Doppelasteroiden ist für November 2026 geplant – nach ESA-Angaben etwa einen Monat früher als ursprünglich vorgesehen, weil Antrieb und Planung ein späteres, kräftigeres Abbremsen erlauben. In der frühen Charakterisierungsphase soll Hera Didymos und Dimorphos aus etwa 25 bis 30 Kilometern Abstand betrachten, später bis auf etwa zehn Kilometer herangehen. Anfang 2027 sollen zwei CubeSats, Milani und Juventas, freigesetzt werden; danach folgen noch engere Beobachtungen aus bis zu rund vier Kilometern Abstand und schließlich ein Versuchsflug auf etwa einen Kilometer an Dimorphos heran.
Als Nächstes zählt der Kalender: Am 15. Oktober brennt Hera 93 Minuten lang, am 22. Oktober folgt der zweite große Impuls. Erst nach den drei Übergangsmanövern Ende Oktober soll die Sonde das Tempo der Asteroiden erreicht haben – und im November bei Didymos und Dimorphos ankommen.